Der Männerchor Rothrist auf Entdeckungsreise durchs Appenzellerland

Kein Wort über die genauen Ziele der Sängerreise vom 30. Juni/1. Juli liess sich Reiseleiter Walter Muggli im Voraus entlocken, nur dass sie uns ins Appenzellerland auf einen „königlichen Berg“ führe, deutete er geheimnisvoll an. Die Geheimniskrämerei zog er während der ganzen Reise durch und sorgte damit für zusätzliche Spannung – ganz im Stil der beiden urchigen Appenzeller aus der Fernsehwerbung, die das Rezept für den würzigen Appenzellerkäse auch nie im Leben verraten würden…

An diesem extrem heissen letzten Junitag wurde zuerst einmal klar, dass mit dem „königlichen Berg“ der Kronberg ob Jakobsbad gemeint war. Er wurde bequem mit Hilfe der Seilbahn „bezwungen“, und das kühle Lüftchen an der Bergstation auf 1700m Höhe nahm man mit Erleichterung wahr. Beim Mittagessen wurde bei Siedwurst mit Chäshörnli und Apfelmus echte Appenzellerkost aufgetischt, und dafür gab es übereinstimmend die Qualitätsbezeichnung „hervorragend“.

Während die marschtüchtigen Sänger am Nachmittag unter der brütenden Sonne den steilen Abstieg zur Schwägalp unter die Füsse nahmen, mussten die sechs Nichtwanderer selbständig mit dem Zug nach Appenzell fahren. Zuerst galt es noch, am Automaten der unbedienten Bahnstation Jakobsbad die Billets zu lösen. Da war allerdings guter Rat teuer. Die Szene einer Gruppe von verzweifelt übenden, wild gestikulierenden und diskutierenden Senioren wurde glücklicherweise von keiner versteckten Kamera festgehalten. Sie wäre immerhin auf „YouTube“ absolut hitverdächtig.

Schliesslich gelang die Übung noch einigermassen korrekt und rechtzeitig, so dass dem Transfer in den Innerrhoder Hauptort nichts mehr im Wege stand.

Schliesslich trafen sich Wanderer und Jasser gegen Abend wieder auf dem Bahnhof in Appenzell zur kurzen Fahrt nach Gais, wo ein „königliches“ Nachtquartier bezogen wurde, wofür, ganz dem Namen entsprechend, das Hotel Krone zur Verfügung stand. Damit die übrigen Hotelgäste und einheimische Zuhörer auch feststellen konnten, dass es sich bei den Neuankömmlingen um einen Männerchor handelte, stimmte Dirigentin Claudia Schumacher zum Apéro ein paar Lieder an. Zum leckeren Nachtessen wurde ein feiner Rotwein aus dem einzigen Appenzeller Rebberg in Wienacht-Tobel offeriert, was für die meisten Sänger eine Neuentdeckung war. Dieser feuchtete die ausgetrockneten Kehlen und löste die Zungen, so dass der spätere Abend bei frohem Gesang ausklang.

 

Auf einer Sängerreise darf ein kultureller Teil nicht fehlen. Der Sonntagmorgen war für eine Führung durch den Luftkurort Gais reserviert. Vom Dorfbrand im Jahre 1780, bei dem alle Häuser rund um den Dorfplatz samt Kirche bei einem heftigen Föhnsturm bis auf die Grundmauern eingeäschert wurden, bis zum umtriebigen Wetterfrosch Kachelmann, dessen Firma im Ort ansässig ist, war viel Spannendes zu vernehmen.

 

Und wenn schon vom Wetter die Rede ist: In Gais blieb der Himmel am Sonntag bis um die Mittagszeit blau. Aus Rothrist war die Kunde angekommen, dass sich dort bereits am frühen Morgen die Schleusen des Himmels unter Blitz und Donner geöffnet hatten.

 

Als auch im Appenzellerland die föhnigen Aufhellungen einem grauen Himmel wichen, war es Zeit, wieder die Bahn zu besteigen. Noch wartete eine feine Mahlzeit in Teufen auf uns – und spätestens auf der verregneten Bahnfahrt von St. Gallen nach Olten verstummten die letzten Sänger, um ein Stündchen verlorenen Schlafs nachzuholen.

 

Vielerorts im ganzen Appenzellerland findet man auf Schildern und Plakaten die Worte:
Sönd willkomm!
Das spürte man allenthalben auf schönste Weise: Die Sängerschar durfte sich wirklich überall willkommen fühlen und die spontane Herzlichkeit der Appenzeller erleben. Kathrin und Walter Muggli ist es zu verdanken, dass der Männerchor Rothrist dies erfahren durfte; sie verdienen ein grosses Lob und ein kräftiges Dankeschön für die Organisation dieser denkwürdigen Reise.      (wf)